Der Revolver Schofield – offiziell bekannt als Smith & Wesson Model 3 Schofield – gehört zu den legendärsten Faustfeuerwaffen des Wilden Westens. Obwohl er im Schatten des berühmten Colt Single Action Army (dem „Peacemaker“) stand, gilt er unter Historikern und Waffenexperten als das technologisch überlegene und innovativere Design seiner Epoche. Er war die Waffe von Kavallerie-Offizieren, berüchtigten Gesetzlosen und eiskalten Revolverhelden.
Hier ist die umfassende Geschichte, Technik und Bedeutung dieser geschichtsträchtigen Waffe.
1. Die Ursprünge: Das Smith & Wesson Model 3
Um die Entstehung des Schofield-Revolvers zu verstehen, muss man einen Blick auf das Smith & Wesson Model 3 werfen, das 1870 auf den Markt kam. Zu dieser Zeit steckte die Entwicklung von modernen Hinterlader-Revolvern, die metallische Patronen verschossen, noch in den Kinderschuhen. Die meisten Revolver aus dem amerikanischen Bürgerkrieg waren noch Perkussionswaffen (Vorderlader), die mühsam mit Pulver, Blei und Zündhütchen geladen werden mussten.
Das Model 3 war ein sogenannter Top-Break-Revolver (Kipplaufrevolver). Zum Laden wurde eine Verriegelung an der Oberseite gelöst, woraufhin der Lauf und die Trommel nach unten geklappt werden konnten. Das Geniale daran: Beim Aufkippen drückte ein automatischer Stern-Ausstoßer (Ejektor) alle abgeschossenen Patronenhülsen gleichzeitig aus der Trommel. Ein Schütze konnte die Waffe in Sekundenschnelle entleeren und neu laden – ein immenser taktischer Vorteil gegenüber den alten Vorderladern.
2. Die Innovation von Major George W. Schofield
Obwohl das Model 3 revolutionär war, hatte es eine entscheidende Schwachstelle, insbesondere für berittene Soldaten (Kavallerie). Die originale Verriegelung an der Oberseite des Rahmens war schwergängig und erforderte im Grunde beide Hände, um die Waffe zu öffnen: Eine Hand hielt den Griff, die andere musste die Verriegelung am Lauf anheben und den Lauf nach unten drücken. Auf einem galoppierenden Pferd, während man die Zügel in der Hand hielt, war dies fast unmöglich.
Hier kam Major George W. Schofield ins Spiel, ein Offizier der 10. US-Kavallerie. Er erkannte das Potenzial des Model 3, sah aber die operative Schwäche. Schofield modifizierte das Design und patentierte 1871 eine neue Verriegelung:
- Der Verriegelungsmechanismus wurde vom Lauf an den Rahmen verlegt.
- Die neue, federbelastete Raste konnte ganz einfach mit dem Daumen der Schusshand nach hinten gezogen werden.
- Durch eine kurze Bewegung aus dem Handgelenk kippte der Lauf nach vorne unten, stieß die Hülsen aus und die Waffe war bereit für frische Patronen.
Diese Modifikation erlaubte es einem Reiter, den Revolver komplett mit einer Hand zu öffnen, zu entleeren und im Reiten wieder zu laden. Smith & Wesson war von diesem Design so beeindruckt, dass sie Schofields Modifikationen übernahmen und ab 1875 den Revolver bauten, der fortan seinen Namen trug.
3. Technische Daten und die Patronen-Krise
Der Schofield-Revolver war eine imposante und präzise Waffe.
| Eigenschaft | Spezifikation |
|---|---|
| Typ | Single-Action Kipplaufrevolver (Top-Break) |
| Kaliber | .45 Schofield |
| Kapazität | 6 Schuss |
| Lauflänge | 7 Zoll (First Model) / 5 Zoll (Second Model) |
| Funktionsweise | Der Hahn musste vor jedem Schuss von Hand gespannt werden |
Das Logistik-Dilemma der US-Armee
Die US-Armee bestellte in den 1870er Jahren rund 8.000 Schofield-Revolver für die Kavallerie. Zur gleichen Zeit war jedoch der Colt Single Action Army (SAA) die Standardwaffe der Infanterie. Dies führte zu einem logistischen Albtraum.
Der Colt verschoss die Patrone .45 Colt. Diese Patrone war lang und stark geladen. Der Schofield-Revolver verschoss die Patrone .45 Schofield, deren Hülse etwas kürzer war und einen breiteren Rand besaß, damit der automatische Ausstoßer sie greifen konnte.
- Die kürzere .45-Schofield-Patrone passte problemlos in die Trommel des großen Colts.
- Die lange .45-Colt-Patrone passte jedoch nicht in den kürzeren Zylinder des Schofield-Revolvers.
Auf dem Schlachtfeld führte dies zu fatalen Verwechslungen: Nachschub-Einheiten lieferten oft die langen Colt-Patronen an Kavallerie-Regimenter aus, die mit Schofields bewaffnet waren – und die Soldaten standen plötzlich mit unbrauchbaren Waffen da. Die Armee versuchte das Problem zu lösen, indem sie die Produktion der .45 Colt einstellte und eine Universalpatrone (die M1877) einführte, doch das Vertrauen der Militärführung in das Schofield-System war angeknackst. Bis 1880 wurden die meisten Schofields aus dem aktiven Militärdienst ausgemustert und als Überschussware verkauft.
4. Das zweite Leben: Legenden des Wilden Westens
Nachdem die US-Armee ihre Schofield-Bestände billig auf dem zivilen Markt verkauft hatte, traten die Revolver ihren Siegeszug im Westen an. Viele der Läufe wurden von Händlern auf eine handlichere Länge von 5 Zoll gekürzt. Aufgrund der extrem schnellen Nachladezeit wurde der Schofield zur Lieblingswaffe von Gesetzeshütern und Outlaws gleichermaßen.
Prominente Besitzer
- Jesse James & Frank James: Die berüchtigten Brüder und Bankräuber besaßen mehrere Schofield-Revolver. Jesse James schätzte die Waffe wegen ihrer Zuverlässigkeit und der Möglichkeit, im Sattel schnell nachzuladen.
- Wyatt Earp: Der berühmte Marshal trug laut historischen Berichten und eigenen Aussagen während der legendären Schießerei am O.K. Corral im Jahr 1881 keinen Colt, sondern einen Smith & Wesson Schofield (oder ein Model 3).
- Billy the Kid: Auch mit ihm wird der Revolver immer wieder in Verbindung gebracht.
- Die Wells Fargo Agenten: Das Transportunternehmen Wells Fargo kaufte große Mengen der ausgemusterten Armee-Schofields, kürzte die Läufe auf 5 Zoll und ließ „W.F. & Co.“ in die Rahmen gravieren. Diese Waffen dienten dem Schutz von Postkutschen und Goldtransporten.
5. Das tragische Ende des Erfinders
Die Geschichte des Revolvers ist untrennbar mit dem Schicksal seines Namensgebers verbunden. Major George W. Schofield litt zeitlebens unter psychischen Problemen und schweren Depressionen, die durch den Druck seiner militärischen Karriere und finanzielle Sorgen verstärkt wurden. Am 17. Dezember 1882 nahm sich Schofield in Fort Apache (Arizona) das Leben – tragischerweise mit genau dem Revolver, den er selbst modifiziert und berühmt gemacht hatte.
6. Vermächtnis und Popkultur
Der Schofield-Revolver ist heute eine der begehrtesten Sammlerwaffen der Welt. Originale Modelle in gutem Zustand erzielen auf Auktionen fünfstellige Summen. Da Originale zu wertvoll zum Schießen sind, stellen Firmen wie Uberti oder Pedersoli bis heute detailgetreue Nachbauten (Repliken) für Sportschützen und Western-Enthusiasten her.
Auch in der modernen Popkultur ist der Schofield unsterblich:
- Im Kino: Im Western-Meisterwerk Erbarmungslos (Unforgiven) von Clint Eastwood trägt eine der Hauptfiguren den Spitznamen „The Schofield Kid“ und führt genau diese Waffe. Auch in Todeszug nach Yuma (3:10 to Yuma) sieht man den Revolver im Einsatz.
- In Videospielen: In Blockbustern wie Red Dead Redemption 2 oder Battlefield 1 wird der Schofield als präzise, mächtige und vor allem extrem schnell nachzuladende Alternative zu traditionellen Colt-Revolvern dargestellt.
Der Schofield war ein mechanisches Meisterwerk, das seiner Zeit voraus war. Während der Colt den Mythos des Westens durch rohe Einfachheit dominierte, bleibt der Schofield das Symbol für die technologische Eleganz einer vergangenen Ära.
